Neue Bildungspartnerschaften am Standort Homburg


„IT2School“ fördert das Verständnis für Digitalisierung:
6 Gymnasien schließen Kooperationen mit Bosch

In Zeiten zunehmender Digitalisierung aller Lebensbereiche spielt die IT-Kompetenz von Schülern eine herausragende Rolle. Das Smartphone nicht nur zu bedienen, sondern sein Funktionieren auch zu verstehen, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Schüler von heute an den Entwicklungen von morgen mitarbeiten können.

Die Robert Bosch GmbH fördert deshalb im Rahmen ihrer zahlreichen Bildungspartnerschaften das Bildungsprojekt IT2School, das von der Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e.V. entwickelt wurde. Unser Standort in Homburg/Saar arbeitet hier bereits erfolgreich mit einem saarländischen Gymnasium und einer Gesamtschule zusammen. Dabei übernehmen Auszubildende und Ausbilder des Unternehmens gemeinsam mit qualifizierten Lehrkräften der Schule die Betreuung des Projekts.

Die Robert Bosch GmbH wird ihr Engagement bei IT2School ausweiten und gleich sechs weitere Bildungspartnerschaften mit Gymnasien aus der Region abschließen. Dabei handelt es sich um drei Schulen aus dem Saarland und drei aus Rheinland-Pfalz. Diese sind:

•    das Johannes-Kepler-Gymnasium (Lebach),
•    die Marienschule Saarbrücken,
•    das Christian von Mannlich Gymnasium (Homburg),
•    das Helmholtz Gymnasium (Zweibrücken),
•    das Hohenstaufen Gymnasium (Kaiserslautern) und
•    das Sickingen Gymnasium (Landstuhl).

Die Feierstunde mit Unterzeichnung der Kooperationsverträge fand am Donnerstag, den 15. März 2018 am Standort Homburg der Robert Bosch GmbH in Homburg/Saar statt. Gemeinsam mit Herrn Dr. Heiner Boeker, Vorstandsvorsitzender der Wissensfabrik, unterzeichneten die Partner die Vereinbarung.

Bislang unterhält das Homburger Werk Kooperationen mit elf Kindergärten und vier Schulen. Die Kindergärten starteten vor über sechs Jahren mit dem Projekt KiTec (Kinder entdecken Technik), die ersten Schulen mit dem Projekt Power4School vor etwa vier Jahren mit dem Ziel, Energie in Anwendung zu verstehen.

Die Wissensfabrik ermöglicht es Bosch, durch diese verschiedenen Projekte, Kinder und Jugendliche für Technik zu begeistern. Die Homburger Ausbildungsabteilung fördert so gemeinsam mit den Schulen frühzeitig die Lernkultur, den Erfindergeist sowie die Eigeninitiative junger Menschen. Damit ist Bosch in Homburg Vorreiter und Vorbild für die gesamte Region.

SCHULEWIRTSCHAFT zu Besuch bei Bernd Jähn, stellvertretender Schulleiter der Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in Homburg und Nils Grützner, ehmaliger Lehrer Beruf und Wirtschaft,  jetzt Leiter für Berufsorientierung am LPM

SCHULEWIRTSCHAFT: Herr Jähn, Sie sind stellvertretender Schulleiter der Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in Homburg-Erbach. Was ist das Besondere an Ihrer Schule? Was macht Ihre Schule aus?

Jähn: Unsere Schule macht aus, dass sie nicht nur das fachliche, sondern auch das soziale Lernen in den Vordergrund stellt und das Zwischenmenschliche. Wir sind eine Schule, die sehr viel Wert darauf legt, dass die Schüler ordentlich miteinander umgehen. Die Schüler sollen wissen, wofür sie lernen und dass sie nach der Schule einen Anschluss erhalten. Dann sollten sie wissen, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Wichtig ist, dass sie da schon gut informiert sind. Berufsorientierung ist ein großes Markenzeichen unserer Schule.

SCHULEWIRTSCHAFT: Herr Grützner: was können Schulen tun, um die Ausbildungsreife ihrer Schülerinnen und Schüler zu verbessern?

Grützner: Ich denke es ist wichtig, dass die Schüler frühzeitig damit anfangen, sich damit zu beschäftigen, was sie später einmal machen möchten. D.h. zu wissen, welche Stärken und Schwächen ich habe und welche Ziele ich mir setzen möchte. Und sich Gedanken darüber machen, wie sie ihre Ziele auch erreichen können.

SCHULEWIRTSCHAFT: Seit vielen Jahren gibt es im Saarpfalz-Kreis unseren Arbeitskreis . Sie Beide haben den Schulvorsitz für den AK übernommen: Was hat Sie motiviert, sich im Netzwerk zu engagieren?

Jähn: Also mich hat motiviert, die Arbeit einfach fortzusetzen und mitzuwirken. Ich kenne den Arbeitskreis schon seit er damals von Herrn Ruppert und der Firma Bosch begleitet wurde. Die Anfänge sind schon ca. 15 Jahre her und seitdem besteht dieser Arbeitskreis kontinuierlich und wir haben immer wieder neue Partner gefunden und interessante Betriebe und Menschen kennengelernt. Genau um dabei mitzuwirken, habe ich gemeinsam mit Herrn Grützner beschlossen, diesen Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT im Saarpfalz-Kreis als Sprecher zu begleiten.

Grützner: Ja, als Herr Jähn mich ansprach, ob ich Interesse hätte im Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT als Sprecher mitzuarbeiten, habe ich sofort „ja“ gesagt. Es ist für mich ein ganz wichtiges Element in der Berufsorientierung, da ich hier als Lehrkraft die Möglichkeit habe, direkt mit einer Vielzahl von Betrieben in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Was fällt den Betrieben auf? Wie suchen Betriebe heute neue Mitarbeiter, also diejenigen die bei uns die Schule verlassen und einen Beruf ergreifen möchten? Wo sind ihre Schwerpunkte?  Wo sind ihre Bedürfnisse? Wenn hier ein Austausch stattfindet, kann ich in der Schule auch meine Schüler besser auf die Welt draußen und auf die Arbeitswelt vorbereiten.

SCHULEWIRTSCHAFT: Welche Vorteile hat Ihnen das Netzwerk bislang gebracht in puncto Austausch zwischen Schule und  Betrieben vor Ort?

Grützner: Es gab zahlreiche Kontakte zu Vertretern von Betrieben. Aus diesen Kontakten wiederum entstanden Möglichkeiten, mit Schülern in Betriebe zu gehen, Betriebserkundungen durchzuführen. Die Unternehmen haben Programme aufgelegt, in denen sie unsere Schüler einladen, um die Ausbildungsmöglichkeiten kennenzulernen. Ein besonderes Highlight für unsere Schule war natürlich, dass wir einen Partnerbetrieb gefunden haben, mit dem wir sehr eng zusammenarbeiten.

Jähn: Der Partnerbetrieb Bernd Burgard begleitet uns schon seit ein paar Jahren mit einem Saalrenovierungsprojekt. Schüler erleben die Arbeit auf der Baustelle vor Ort. Sie werden angeleitet von erfahrenen Mitarbeitern der Firma und können ausprobieren, ob genau diese Tätigkeit, dieses Handwerk ihnen Spaß macht oder nicht. Auf diesem Weg haben wir in diesen Betrieb schon etliche Auszubildende vermitteln können. Gearbeitet wird in der Schule, die dann ganz nebenbei verschönert wird. Unsere Kooperationspartnerin Birgit Burgard konnten wir in diesem Zusammenhang für den Unternehmensvorsitz unseres Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT gewinnen.

SCHULEWIRTSCHAFT: Ihre Gemeinschaftsschule bietet das Fach „Beruf und Wirtschaft“ an. Wie wird das Fach von Lehrern und Schülern angenommen?

Grützner: Wir haben schon vor dem Fach „Beruf und Wirtschaft“ den Bereich  „Arbeit und Beruf“ als Schwerpunktthema in unserer Schule verankert gehabt. Damals noch im Fach „Arbeitslehre“ und insofern konnten wir vieles von dem, was wir bereits an Konzepten hatten, in dem neuen Fach wiederfinden. Die Schüler arbeiten gerne in dem Fach mit und finden es spannend herauszufinden, welche Möglichkeiten ihnen mit ihrem angestrebten Schulabschluss offenstehen. Es ist uns auch sehr wichtig mit den Schülern herauszuarbeiten, dass der Schulabschluss keine Sackgasse ist, in der man nur noch eine bestimmte Anzahl an Berufen kennenlernen kann, sondern dass dieses Bildungssystem so durchlässig ist, dass man alle seine Ziele, die man sich setzt, auch erreichen kann, wenn man sich dementsprechend engagiert und motiviert arbeitet. Der zweite Teil des Fachs „Beruf und Wirtschaft“ ist der Bereich Wirtschaft. Der ist für viele Kollegen neu. Wir machen einzelne Projekte, wo Schüler feststellen, wie Wirtschaft funktioniert, wie der Umgang mit Geld funktioniert, usw. Das macht auch sehr viel Spaß.

SCHULEWIRTSCHAFT: Welche Tipps haben Sie für junge Leute bei der Berufswahl?

Jähn: Ich denke, der wichtigste Tipp ist: Schau es dir an! Mach ein Praktikum! Überprüfe vor Ort, ob das ein Beruf ist, der dich ausfüllt und dir Spaß macht. Und diesen Tipp gebe ich auch immer den Schülern, die über den weiteren schulischen Weg bis zum Abitur kommen wollen. Denn es ist durchaus sinnvoll und möglich, den schulischen Weg auch mal durch eine Ausbildungsphase zu unterbrechen und dann wieder in der Schule einzusteigen. Beispiel: Wenn jemand die mittlere Reife hat und kann bei einem dieser großen Unternehmen hier vor Ort eine „Duale Ausbildung“ machen, dann hat er nach Abschluss der Berufsausbildung auch den Fachoberschulabschluss erreicht oder eine Stufe tiefer gesehen, wer mit dem Hauptschulabschluss eine Berufsausbildung ablegt und dann anschließend an die Fachoberschule wechseln möchte, der hat das erste Jahr der Fachoberschule gespart und kommt dann wieder auf diesem Weg zur Schule zurück und hat bessere Voraussetzungen das Ganze auch bis zum Ende zu bringen.

Grützner: Mein Tipp für die Schüler ist es: Ihr seid alle unterschiedlich, also stellt fest, wo sind eure Stärken gegenüber den anderen. Und was ist euch besonders wichtig. Und wenn ihr das kennt, dann findet ihr auch Berufe und Berufsfelder, in denen ihr euch wohlfühlt, die euch gut tun. Wer Spaß an der Arbeit hat, der geht gerne zur Arbeit und ist dann auch erfolgreich. So gelingt die Berufswahl.

SCHULEWIRTSCHAFT: Sie haben die berufliche Orientierung an Ihrer Schule gut  aufgestellt und begleiten Ihre Schüler ab Klasse 8 bis in die Oberstufe: Könnten Sie für uns einmal ein aktuelles und für Sie wichtiges Projekt herausgreifen und kurz umschreiben?

Jähn: Unsere Schulform der Gemeinschaftsschule bietet mit den Fächern „Arbeitslehre“ und „Beruf und Wirtschaft“ die Möglichkeit, praktisch Dinge auszuprobieren und herauszufinden, in welche Richtung es gehen kann. Wenn es uns gelingt, diese lebensweltorientierten Fächer auch im Oberstufenbereich mit zu verankern, dann hätten wir eine Schulform, die attraktiv ist für Schüler, die wissen, wohin sie möchten und die sich schon in der Schule auf die Welt draußen und auf die Arbeitswelt vorbereiten möchten und hier eine Vororientierung haben.

SCHULEWIRTSCHAFT: Ist die Ganztagsschule für Sie ein Thema?

Jähn: An diesem Thema sind wir natürlich schon seit ein paar Jahren dran und werden dranbleiben. Allerdings hat eine Elternbefragung ergeben, dass wir nur so etwa 30 bis 40 % der Eltern zum Ganztagsbereich gewinnen können. Einige entscheiden sich dann auch noch für die freiwillige Ganztagsschule, aber nehmen ganz bewusst nicht den Weg über die Ganztagsklasse. Die Gründe sind unterschiedlich. Da will ich jetzt gar nicht darauf eingehen, aber wir verschließen uns diesem Gedanken nicht. Es ist für uns eine Option und wir sind auch im Gespräch mit Nachbarschulen hier im Ort, die auf einem ähnlichen Weg sind. Es ist politisch/schulentwicklungspolitisch angedacht, dass mindestens eine Schule im Saarpfalz-Kreis Ganztagsschule werden soll und da bedarf es noch einiger Abstimmungen.

SCHULEWIRTSCHAFT: Eine wichtige Frage für unsere Akteure ist die der Einbindung von Eltern in Berufswahlprozesse: Wie gehen Sie vor, um Eltern in ihrer Rolle als Multiplikatoren für die berufliche Orientierung der Jugendlichen zu gewinnen?

Grützner: Eltern sind bei der Berufswahl ein sehr wichtiger Faktor. Wenn man sich anschaut, wie die Berufswahl bei Schülern von statten geht, so sind drei Faktoren wichtig für das berufliche Ziel. Neben den Eltern und der Schule ist  ein weiterer entscheidender Faktor die Peergroup, also die Mitschüler und wie die wiederum auf die Interessen und beruflichen Interessen des Schülers reagieren. Man möchte ja etwas machen, was in seiner internen Gruppe anerkannt ist. Deswegen ist es für die Schule besonders wichtig, dass Berufsfelder attraktiv vorgestellt werden und hier können Eltern dazu beitragen, indem sie ihre Berufstätigkeit in der Schule präsentieren. Hier sind wir bei Vorüberlegungen, aber ein konkretes Projekt, wie wir Eltern in den Schulalltag hier einbinden, steckt noch in den Kinderschuhen.

Jähn: Es gab einmal einen Elternabend z.B. in einem Betrieb. Da waren Schüler und Eltern vor Ort und haben den Betrieb kennengelernt. Was sehr gut angekommen ist. Was vielleicht sogar besser ankommt, als wenn man den Elternabend generell immer nur in der Schule veranstaltet. Auch das könnte ein Weg sein, mehr die Betriebe in diese Elternarbeit miteinzubinden und vor Ort zu zeigen, was da alles möglich ist.

Grützner: Elternarbeit heißt auch, dass wir mit den Eltern arbeiten müssen, um zu thematisieren, was sind eigentlich berufliche Vorstellungen. Viele Eltern haben berufliche Vorstellungen für ihre Kinder, die aus ihrer Berufswahlzeit heraus resultieren. Die Situation und die gesellschaftliche Situation hat sich aber inzwischen verändert. Es ist wichtig, dass Eltern, die ja das Beste für ihr Kind wollen, auch entsprechend auf den Stand sind, welche Möglichkeiten Kinder heutzutage in Sachen Berufswahl und Berufsorientierung haben. Nur dann können Eltern positiv und sinnvoll ihre Kinder auch so betreuen, wie es ihr Wunsch ist: nämlich das Beste für ihr Kind.

SCHULEWIRTSCHAFT: Ihre Schule scheint ja sowohl in der Region, als auch überregional gut vernetzt zu sein. Im Hinblick auf aktuell geplante Aktivitäten: Gibt es Kooperationen mit Funktionsträgern in Ihrer Gemeinde?

Jähn: Sicherlich gibt es solche Kooperationen und Netzwerke. Z.B. sind wir bei der Stadtteilkonferenz immer vertreten auch als Mitglied und auch als Akteure bei Veranstaltungen. Wir beteiligen uns am Weihnachtsmarkt als die Schule vor Ort. Konkret sieht das so aus: freitags werden wir vorstellig mit einer Schülergruppe von ca. 10 Schülern und helfen beim Aufbau der Hütten, der Weihnachtshäuser, der Stände. Wir haben dann an einem der Wochenendtage einen Stand, an dem wir etwas anbieten können und montags sind wir wieder mit einer Schülergruppe vor Ort und helfen beim Abbau, so dass die Schüler erfahren können, was konkret vor Ort passiert. Andererseits können aber auch die Gemeinde, die Vereine, die Funktionäre vor Ort sehen, dass sich die Schule einbringt und ihre Lücke gefunden hat, die sie füllen kann. Ansprechpartner ist bei uns der Landrat, weil wir in der Trägerschaft des Kreises sind. Er unterstützt uns bei allen Aktivitäten. Natürlich auch bei SCHULEWIRTSCHAFT-Aktivitäten.

SCHULEWIRTSCHAFT: Tauschen Sie sich auch mit anderen Schulen oder Institutionen wie ALWIS über die Gemeindegrenzen hinweg aus?

Grützner: Der Austausch ist ein entscheidendes Element. Wie Herr Jähn schon gesagt hat, ist die Schule Teil des öffentlichen Netzwerkes in einer Gemeinde. Hier findet ganz viel statt. Auch die Vereine sind in unser Nachmittagsprogramm mit eingebunden. Vernetzung findet in jedem Fall statt. Wenn es an Institutionen geht, die unsere Berufsorientierung stärken können, da arbeiten wir selbstverständlich mit der Industrie und Handelskammer oder mit der Handwerksammer zusammen. Auch mit ALWIS arbeiten wir zusammen. Wir haben eine jährlich stattfindende Berufsinformationsmesse für unsere Schüler hier in unserem Gebäude mit Betrieben, die wir mit ALWIS gemeinsam vorschlagen und hier bieten wir Schülern in allen Berufsfeldern Ausbildungsangebote an. Die Ausbildungsinhalte werden von den Betrieben vor Ort dargestellt. Eine weitere Kooperation hatten wir mit der IHK. Ein Modellprojekt namens „Tag des Handels“. Da haben wir Handelsunternehmen hier an die Schule gebracht. Nicht nur für unsere Schule, sondern auch für die Schulen in unserem Umkreis. Wir haben somit einmal den Handel in den Mittelpunkt gestellt, weil uns aufgefallen ist, dass es sinnvoll ist, interessierte Schüler zusammen zu bringen und in einem bestimmten Thema fit zu machen und zu informieren. Mit dem Ziel, dies dann wiederum in Fächern, wie dem neuen Fach „Beruf und Wirtschaft“ aufzugreifen und dann Schüler andere Schüler darüber informieren, was sie an diesem Tag erlebt/erreicht haben. So lernen Schüler, dass es sinnvoll ist, sich zu informieren, dass es zielführend ist, mehr zu tun, als andere und dass man dann auch einen Wissensvorsprung hat. So machen wir das mit mehreren Veranstaltungen in Unternehmen. Wir schicken ausschließlich interessierte Schüler als Experten hin. Die schauen sich das an und  berichten dann in ihren Klassen, was sie erlebt haben und was sie dort erfahren haben. So setzen wir Anreize auch für diejenigen Schüler, die sich erstmal noch abwartend zeigen, sich ebenfalls Projekte zu suchen, Unternehmen zu suchen, wo sie Experte sein möchten, bei denen sie  etwas Besonderes erlebt haben und dies dann ihrer Klasse mitbringen können. Dafür sind die überregionalen Institutionen und Netzwerke natürlich besonders hilfreich. Sowohl SCHULEWIRTSCHAFT als auch ALWIS, IHK, HWK usw. Auch wichtig sind die Universitäten mit ihren Schülerlaboren, die ein sehr gutes und ausgezeichnetes Angebot für Schüler anbieten.

Jähn: Für mich ganz konkret wichtig sind die zweimal im Jahr stattfindenden Sitzungen des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT in den Betrieben oder anderen Schulen. Dies ist ein wichtiger Ort des Austauschs, denn da hat man automatisch alle interessierten Schul- und Betriebsvertreter vor Ort und kennt sich bereits persönlich bzw. kann immer wieder neue Gesichter dazu kennenlernen und sich direkt austauschen, was ja für mich persönlich auch ein Grund war, beim Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT mitzumachen.

SCHULEWIRTSCHAFT: Sie haben mit Ihrer Schule schon viel erreicht: Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Grützner: Da reicht ein Wunsch nicht aus. Wir haben ganz viele Wünsche.

Jähn: Zum Beispiel eine schöne Ausstattung für unseren Berufsorientierungsraum. Mit der man dann ganz konkret arbeiten und Dinge anpacken kann. Bislang sind wir noch in anderen Fachräumen. Ein weiterer wichtiger Wunsch wäre, dass man die personelle Ausstattung bei der Berufseinstiegsbegleitung wieder ein klein wenig ausbauen könnte. Das ist leider aus verschiedenen Gründen jetzt etwas verringert worden. Wir hatten sehr gute Erfahrungen gemacht damit, dass die jungen Leute, die nicht von zu Hause aus die Unterstützung haben, wie andere, die nicht entsprechend begleitet werden und wo nicht ausreichend über Berufsziele und Orientierung gesprochen wird, gestärkt werden. Erfahrene Begleiter, die sie über die Schulzeit hinaus fördern und dafür sorgen, dass sie Dinge lernen, die das Elternhaus nicht mehr liefern kann, können sinnvoll unterstützen. Also, das wäre ein großer Wunsch von mir, dass man da wieder personell auf den alten Stand zurückkäme. Das haben wir hier in unserem Einzugsbereich bitter nötig. Und wir könnten noch mehr finanzielle Unterstützung gebrauchen, denn die Ideen werden uns sicherlich nicht ausgehen, wie man dieses Geld sinnvoll einsetzen könnte.

SCHULEWIRTSCHAFT: Welche Perspektiven sehen Sie für die SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit im Saarland?

Grützner: Die Perspektiven für die SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit zeigen sich im Ausbau der  Arbeitskreise und der Netzwerke vor Ort. Hier treffen Unternehmen, Entscheidungsträger  (z. B. auch Personen aus den  Ministerien) und die Schulen zusammen. Dass sie ins Gespräch kommen, sich austauschen und Projekte entstehen, die dann auch gemeinsam konzipiert und miteinander verzahnt sind. Ein wunderbares Beispiel haben wir da mit dem Berufswahl-SIEGEL ins Leben gerufen oder auch mit der neuen Richtlinie für Berufsorientierung. Diese sind verzahnt mit den Fortbildungsangeboten des Landesinstitutes für Pädagogik und Medien, mit dem wir auch sehr gut vernetzt sind

SCHULEWIRTSCHAFT: Herr Jähn, Herr Grützner herzlichen Dank! Eine letzte Frage noch: Wo gibt es Ihrer Erfahrung nach bei den Schulen den größten Unterstützungsbedarf?

Jähn: Mir fällt zu dieser Frage ganz spontan etwas ein, was auch die Schulleitung, die Schulentwicklung betrifft: Uns wäre sehr geholfen, wenn wir noch weitere Unterstützung aus dem Kreise der Wirtschaft bei unserer Schulentwicklungsarbeit bekämen. Wir hatten in früheren Jahren einen externen Begleiter, der aus Altersgründen ausgeschieden ist und wir wünschen uns jemanden, der die Kompetenz mitbringt und uns auf Dinge aufmerksam macht, die über die Schulmauern hinaus für uns gar nicht so sichtbar sind. Jemand, der uns die Erfahrungen der Wirtschaft und die Methoden der Wirtschaft ein bisschen näher bringt. Da sehe ich einen Unterstützungsbedarf für die Schule in Bezug auf die weitere Entwicklung. Und dann natürlich die Bereitstellung von Praktikumsplätzen für Schülerinnen und Schüler, die nicht ganz so leistungsstark sind. Junge Menschen, die halt vielleicht dann über die praktische Arbeit doch einen Weg finden, auch die Theorie wieder in den Griff zu bekommen. Das wirkt oftmals sehr motivierend und ist leider in der letzten Zeit in Einzelfällen etwas zurückgedrängt worden, da man sich mehr auf die guten, leistungsstarken, höher abschließenden Schüler konzentriert. Da wünsche ich mir wieder ein bisschen mehr Vielfalt, auch gerade im Zusammenhang mit den neu hinzukommenden Kindern aus den Krisen- und Kriegsländern. Wir brauchen ganz viele Plätze für Kinder, die Defizite mitbringen und wir brauchen auch die Bereitschaft der Betriebe, bzw. der Wirtschaft mitzuhelfen, diese Defizite auch während der Ausbildungszeit etwas zu beheben. Dies kann nicht alleine die Schule lösen in der zur Verfügung stehenden Zeit.

Grützner: Wenn wir mit den Gemeinschaftsschulen die Lebenswirklichkeit in die Schule bringen möchten in Fächern wie „Arbeitslehre“ oder „Beruf und Wirtschaft“, dann kann es sehr hilfreich sein, wenn die Betriebe  frühzeitig auch mit kleinen Projekten in die Schulen gehen bzw. mit den Schulen zusammenarbeiten. Hierbei entstehen die besten Kontakte zwischen Schülern und Unternehmen. Schüler bekommen Einblicke, wie so ein Unternehmen tickt. Wie ist die Ansprache? Wie ist das Auftreten der Menschen, die erwerbstätig sind und einer Arbeit nachgehen? Wie wird dort gesprochen? Was wird dort erwartet? Dies beginnt mit Kleinigkeiten, die am Aussehen, am Verhalten, am Umgang miteinander festzumachen sind und geht dann über in die konkreten praktischen Tätigkeiten. Wie liegt mir etwas und wer macht das, was mir liegt? Wenn wir hier die Möglichkeit hätten, solche Projekte noch stärker mit Schule zu verzahnen, dann sehe ich darin einen Win-Win-Effekt für beide. Für die Unternehmen, die schon frühzeitig sehen, wie sind die Schüler von heute, auf was muss ich mich einstellen?  Welche Schüler gibt es, die für mich interessant sind?  Kenne ich schon jemand, den ich dann vielleicht auch konkret ins Praktikum einlade? Bei wem kann ich mich schon freuen, wenn der oder die  sich in meinem Unternehmen bewirbt, da er oder sie in meine Unternehmenskultur passt? Gleichzeitig haben die Schüler die Chance ihre Perspektiven zu sehen. Hier gibt es Unternehmen, die für mich interessant sind und wenn es nicht bei diesem Betrieb klappt, dann kann ich in diesem Berufsfeld weitersuchen. Unternehmen haben ja auch Kontakte untereinander und können sich dann dementsprechend austauschen. Das wäre sehr hilfreich, wenn wir hier eine stärkere Verzahnung mit den Betrieben hinbekämen, insbesondere auch im Unterricht .

SCHULEWIRTSCHAFT: Es wäre demnach wichtig, die lokale Vernetzung mit den Betrieben vor Ort hier noch weiter auszubauen?

Grützner: Ja, das ist ein wichtiges  Feld. Es hilft uns wenig, wenn wir in einer Ausbildungsmesse sehen, was es in anderen Landesteilen des Saarlandes an Ausbildungsbetrieben gibt. Wir brauchen die Unternehmen vor Ort, die hier ausbilden, die für unsere Schüler erreichbar sind, die unsere Schüler auch ansprechen können. Hier ist  es dann auch wirklich möglich ein Praktikum zu machen oder in den Ferien ein Probearbeiten zu vereinbaren. Hier macht eine Bewerbung Sinn. Wenn sich an unserer Schule jemand vorstellt, der aber in Saarlouis ausbildet, dann sind einfach die Wege so weit, dass unsere Schüler den Weg dorthin nicht gehen werden. Und dieses regionale Netzwerken müssen wir noch stärker in den Fokus setzen. Mit den Betrieben, die hier in nächster Nähe der Schule verortet sind, haben wir gerade in Homburg eine ganze Menge an Möglichkeiten.

Ein Gütesiegel für die berufliche Orientierung

Das Homburger Saarpfalz Gymnasium wurde diesen Herbst mit dem Berufswahl-SIEGEL ausgezeichnet! Was die Schule so besonders macht und wo sie einen Schwerpunkt setzt hinsichtlich der beruflichen Orientierung ihrer Schülerinnen und Schüler erfahren Sie über den angehängten Artikel der Saarbrücker Zeitung

Spannende Praxisbegegnungen

... für die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in Homburg. Eine erfolgreiche Kooperation von Schulen und Unternehmen zeichnet sich vor allem durch spannende Praxisbegegnungen der Jugendlichen aus, bei denen sie einen realistischen Einblick in die Arbeitswelt erhalten und die sie bei ihrer Berufswahl unterstützen. Die Schaeffler Technologies AG & Co. KG unterhält eine solche Partnerschaft mit der Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in Homburg.

Neben der Teilnahme an Berufsorientierungstagen der Schule, bei denen Ausbildungsverantwortliche und Auszubildende von Schaeffler Homburg über die beruflichen Möglichkeiten in der Industrie informieren, besuchen Schulklassen der Gemeinschaftsschule auch regelmäßig das Unternehmen, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen. Die Schülerinnen und Schüler bekommen dabei  im Rahmen von Werksführungen auch einen Einblick in die Produktionsabläufe eines großen Industrieunternehmens. Ein besonderes Highlight für die Jugendlichen war die Einladung zum ME Saar Info-Truck auf dem Werksgelände. Dort konnten sie sich im Info-Truck mithilfe der Multimedia-Anwendungen gemeinsam über die Metall- und Elektrobranche informieren und sich an den Experimentierstationen praktisch ausprobieren.

Noch mehr praktische Erfahrungen werden durch gesponserte Fahrten zur Wissenswerkstatt nach Saarbrücken in den Schulalltag integriert. Dort steht das Selbermachen im Vordergrund, wodurch die Schulklassen in kleinen Projekten spielerisch an technische Themen herangeführt werden. Schließlich lernen Schülerinnen und Schüler der Neuen Sandrennbahn regelmäßig während Schülerpraktika im Ausbildungszentrum gemeinsam mit den Auszubildenden des Unternehmens erste Grundlagen der Metall- und Elektroverarbeitung – und entscheiden sich anschließend oftmals für einen technischen Ausbildungsberuf bei Schaeffler.


Interview mit Thomas Bonerz, Schulleiter der Albertus-Magnus-Realschule in St. Ingbert

Herr Bonerz, Sie sind seit 2012 Schulleiter an der privaten Albertus-Magnus-Realschule. Was macht Ihre Schule aus?

Die Albertus-Magnus-Realschule lässt sich durch drei Worte beschreiben : Werte, Leistung, Zukunft. Wir legen in der Schulgemeinschaft viel Wert auf Tugenden, die wir in dem sich immer schneller drehenden Ausbildungskarussell für wichtig halten. Dazu zählen Fleiß, Disziplin, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Achtsamkeit und noch andere. Diese sind in unserem Leitbild festgehalten. Darauf aufbauend fordern wir von unseren Schülerinnen und Schülern (SuS) Leistung und die Bereitschaft, diese auch erbringen zu wollen. Ohne diesen Gedanken hat Schule nichts mit den Anforderungen des späteren beruflichen Lebens zu tun. Ausgerüstet mit den Werten und dem Leistungsgedanken erhalten die SuS die Sicherheit für die Planbarkeit ihrer eigenen Zukunft. Unsere Hauptaufgabe ist es, die uns anvertrauten Kinder optimal auf ihr späteres Leben vorzubereiten und ich persönlich glaube, dass wir mit dem oben genannten Konzept gar nicht so falsch liegen.

Sie haben ein eigenes Konzept entwickelt, um junge Menschen beruflich zu orientieren, die sogenannten Workshoptage. Könnten Sie uns kurz skizzieren, was dieses Angebot beinhaltet?

Neben Schülerbetriebspraktikum,  Unterrichtsgängen, Firmenerkundungen, u.v.a bieten wir unseren SuS ab dem neunten Schuljahr jeweils 2 Tage unverbindlich die Möglichkeit, bei einem unserer 14 Kooperationspartner "Schnupper-Arbeitstage", die sogenannten "Workshoptage" durchzuführen. Die Auswahl der Arbeitsplätze erfolgt individuell nach den Neigungen der SuS bezüglich der angebotenen Ausbildungsberufe der Kooperationspartner. Dadurch ist sichergestellt, dass SuS in den Unternehmen betreut werden, für deren Berufsfelder sie sich interessieren. Während dieser Tage ergibt sich natürlich die Möglichkeit für die Unternehmen mit ausbildungswilligen SuS Kontakt aufzunehmen und weitere schulische oder berufliche Wege zu besprechen.

Aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus: Was können Schulen tun, um die Ausbildungsreife Ihrer Schülerinnen und Schüler zu verbessern?

Schulen sollten sich für Kontakte zu Unternehmen öffnen. Unsere Hauptaufgabe ist es, SuS optimal auf das spätere Leben vorzubereiten. Ich persönlich maße mir als Lehrer nicht an, fundiert über Vorgänge und Notwendigkeiten betrieblicher Vorgänge lehren zu können. Daher ist es für mich zwingend notwendig, dass dies in den Einrichtungen geschieht, die das Wissen dazu haben. Das sind die Unternehmen. Deswegen müssen sie unbedingt in das schulische Ausbildungskonzept integriert werden. Den SuS müssen passende, individuelle Angebote sowohl von Schule als auch von Unternehmen gemacht werden, damit sinnvolle Perspektiven zur Lebensplanung gezeigt werden können.

Welche Tipps haben Sie für junge Leute bei der Berufswahl?

Seid neugierig, probiert alles aus, wozu euch die Möglichkeit gegeben wird. Auch wenn manche Erwartungen, Wünsche oder Vorstellungen sich nicht erfüllen, gibt es immer neue Wege. Ihr müsst nur den Mut haben, diese auch beschreiten zu wollen und dann ist natürlich eine gewisse Menge an Durchhaltevermögen wichtig, bis Ziele erreicht werden. Festzustellen, dass eine getroffene Wahl nicht die richtige war, ist kein Beinbruch. Um dieses Risiko minimieren zu können, ist es ungemein wichtig, sich so viel Wissen wie möglich zu erarbeiten. In unserer heutigen Zeit müsst ihr immer flexibel sein. Änderungen kommen immer wieder und sind nichts Schlimmes, sie sind Herausforderungen.

Sie haben 2016 als eine der ersten Schulen im Saarland das Berufswahl-SIEGEL erhalten und sind bereits sehr gut aufgestellt: Was möchten Sie in den nächsten Jahren mit Ihrer Schule erreichen?

Wir möchten den hohen Standard an der Schule im Bereich der beruflichen Ausbildung noch weiter entwickeln. Dazu sollen Erfahrungen von Eltern stärker einbezogen und das Portfolio an Kooperationspartnern erweitert werden. Ebenso soll die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden. Wir wollen als private Realschule überregional bekannter werden und als sinnvolle Alternative zum bestehenden Bildungskonzept fester in der Bildungslandschaft integriert werden.

Wie kann SCHULEWIRTSCHAFT dabei unterstützen?

Das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT bietet optimale Voraussetzungen, mit verschiedenen Gruppen Ideen auszutauschen, Verbesserungen zu diskutieren oder neue Eindrücke zu erlangen. Insofern sind die Veranstaltungen in diesem Rahmen immer sehr förderlich, um Schule weiter entwickeln zu können.

Eine wichtige Frage für unsere Akteure ist die der Einbindung von Eltern in Berufswahlprozesse: Wie gehen Sie vor, um Eltern in ihrer Rolle als Multiplikatoren für die berufliche Orientierung der Jugendlichen zu gewinnen?

Das Konzept zur Einbindung der Erfahrungen der Eltern ist bereits andiskutiert. Es sieht vor, dass Eltern - stellvertretend für bestimmte Berufsfelder - Informationsveranstaltungen für interessierte SuS aus den neunten und zehnten Klassen halten. Auch hier soll eine individuelle Wahlmöglichkeit der SuS eine höhere Zustimmung zu den Berufen generieren. Die authentischen Schilderungen durch die Eltern sollen das berufliche Wunschbild der SuS noch stärker prägen. Wir streben also ein 3-Säulen-Modell in der beruflichen Ausbildung an: Unternehmen - Schule - Eltern. Je mehr verschiedene Eindrücke bei den SuS entstehen, desto besser können sie Entscheidungen für ihren eigenen Werdegang treffen.

Gibt es an Ihrer Schule Modelle der Gewinnung und Einbindung von Externen (Eltern, Betriebe u.a.), die sie weiterempfehlen können?

Wir haben ein eigenes Konzept zur Gewinnung von externen Kräften ausgearbeitet, das maßgeblich zu der Erreichung des Berufswahl-SIEGELs Saarland beigetragen hat.  Wichtig dabei ist die genaue Analyse möglicher Vorteile sowohl für Unternehmen als auch für Schule, bevor es zu einer Kontaktaufnahme kommt. Eine Schule sollte sehr genau über die eigene Leistungsfähigkeit Bescheid wissen. Dies geschieht über die Erlangung von Zertifikaten. Mit diesen validen Größen können für einen möglichen neuen Kooperationspartner Win-Win-Situationen diskutiert werden. Die Inhalte der kooperativen Zusammenarbeit werden schriftlich festgehalten, eine öffentlich bekundete Zusammenarbeit ist notwendig. Es finden fast monatlich Austausche der verschiedenen Gruppierungen statt, um alle Prozesse bis hin zu den Workshoptagen optimieren zu können. Zum Ende eines jeden Schuljahres wird in einer gemeinsamen Abschlussveranstaltung die Kooperation auf Wirksamkeit überprüft und das Folgejahr vorbereitet.

Ihre Schule ist sowohl in der Region, als auch überregional gut vernetzt. Im Hinblick auf aktuell geplante Aktivitäten: Gibt es Kooperationen mit Funktionsträgern in Ihrer Gemeinde? Unterstützt beispielsweise der Bürgermeister SCHULEWIRTSCHAFT-Aktivitäten vor Ort?

Die örtliche Politik unterstützt uns sehr gut bei vielen Maßnahmen,  die wir durchführen. Schulen sind immer ein Spiegelbild der Gesellschaft. Eine gut funktionierende Schule ist bestimmt kein Schaden für das Ansehen einer Stadt oder Gemeinde. Insofern ist der gute Kontakt zur Politik ein wichtiges Zahnrad für das Gelingen von Schule. Zur Zeit arbeiten SuS an einem Spiel im Auftrag der Stadt St. Ingbert, bei dem wichtige Gebäude als 3D-Modelle gedruckt werden. Dieses Spiel wird wohl in naher Zukunft erscheinen. Die örtliche Politik ist also sehr an der Förderung modernster Kompetenzen unserer SuS interessiert und unterstützt uns auch dabei.

Tauschen Sie sich auch mit anderen Schulen oder Institutionen wie Alwis über die Gemeindegrenzen hinweg aus?

Dadurch, dass SCHULEWIRTSCHAFT überregional arbeitet, kann man sich über gute Konzepte überregional informieren. Die gemeinsamen Treffen und Veranstaltungen in den verschiedenen Arbeitskreisen helfen dabei enorm. Des weiteren tauschen wir uns immer wieder mit der Universität des Saarlandes, der Wissenswerkstatt Saarbrücken oder anderen Institutionen aus, wenn es darum geht, unseren SuS die Berufswahl zu erleichtern oder das Wissen unserer SuS zu erweitern. Dazu nehmen wir natürlich auch an Veranstaltungen der Agentur für Arbeit oder ALWIS teil.

Sie haben mit Ihrer Schule schon viel erreicht: Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Wir haben unsere Schule auf dem Weg in die Digitalisierung bereits gut aufgestellt. Unser Konzept dafür war so bemerkenswert, dass wir als eine von 12 Schulen (von über 40.000 möglichen) in Deutschland das Zertifikat "MINT-freundliche-digitale-Schule"  erworben haben. Diese Auszeichnung in Verbindung mit dem Berufswahl-SIEGEL Saarland sollte uns in den nächsten Jahren den Ansporn geben, uns ständig weiterentwickeln zu wollen. Mein größter Wunsch dazu wäre die Umsetzung der Digitalisierung der Schulbuchausleihe. Bis dato ist dies am Thema Geld gescheitert. Ein fertiges Konzept besteht schon seit längerem, allerdings müssen zur Durchführung neben den finanziellen auch politische Hürden genommen werden. Leider braucht dies viel Zeit. Sollte das Konzept aber durchgesetzt werden, könnte unter Einbeziehung aller eben diskutierten Punkte wie Ausbildung,  Beruf, Unternehmensansprüchen, Digitalisierung, etc. die Albertus-Magnus-Realschule als Modellschule für eine mögliche "Schule der Zukunft" fungieren und die Zukunft darf nicht jetzt verschlafen werden!

Welche Perspektiven sehen Sie für die SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit im Saarland?

Das Konzept von SCHULEWIRTSCHAFT sollte im Saarland noch weiter ausgebaut werden.  Obwohl die Arbeit zeitintensiv ist, bringt sie einen enormen Zugewinn an Erfahrungen, wenn man die Möglichkeit hat, sich mit vielen anderen Gruppierungen auszutauschen. Insofern sehe ich großes Potenzial für SCHULEWIRTSCHAFT und ich freue mich schon auf die weitere, gewinnbringende Zusammenarbeit.

Herr Bonerz, eine letzte Frage noch: SCHULEWIRTSCHAFT unterstützt Schulen bei der Vermittlung von wirtschaftlichen Zusammenhängen mit Unterrichtsmodulen und am Übergang Schule-Beruf sowie in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Betrieben:
Wo gibt es Ihrer Erfahrung nach bei den Schulen den größten Bedarf?

Wenn die gegenseitige Abhängigkeit von Schule und Wirtschaft endlich anerkannt ist, sollten beide Seiten den Mut haben, gemeinsam zusammenarbeiten zu wollen. Im schulischen Bereich wäre es schön, wenn wir als Lehrer stärker Kenntnis über wirtschaftliche Abläufe hätten und für Unternehmen würde ich mir wünschen, dass sie einen stärkeren Einblick in den schulischen Alltag bekommen könnten. Nur durch gemeinsame Arbeit mit unseren SuS können zukünftige Hürden überwunden und Win-Win-Situationen für alle Beteiligten geschaffen werden. Webseite der Albertus-Magnus-Realschule


Leuchtturmprojekt an der Robert-Bosch-Schule

Was macht eine gelungene Kooperation zwischen Schule und Betrieb aus und wie profitierern Schülerinnen und Schüler davon? Bei unserem Besuch im Technikraum der Robert-Bosch-Schule schauen wir in stahlende Gesichter der Jugendlichen, die ihre eigne Miniaturstadt, mit Holzhäuschen samt Solardach, Gärten, Straßen und vielen weiteren schönen Details bauen. Aus den Häusern strahlt Licht und zwar ohne Strom aus der Steckdose. Die Modellstadt bildet einen Teil des Projekts Power4School, bei dem Schüler der Klassenstufe 6-10 alles zum Thema Energiemanagement lernen und durchspielen können.  Begleitet wird das Projekt im Rahmen der Wissensfabrik vom Bosch-Team um Ausbildungsleiter Andreas Noss und Ausbildungskoordinator Fred Fey, beide aktiv im Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT Saarpfalz. Für ihr persönliches Engagement am Standort Homburg, ihre innovativen Ideen zur Vermittlung von Wissen rund um das Thema Energieeffizienz und deren Umsetzung, wurde das Unternehmen in diesem Jahr auf Bundesebene mit dem SCHULEWIRTSCHAFT-Preis "Das hat Potenzial" ausgezeichnet. Wichtig ist bei diesem Projekt, dass alle gemeinsam mitwirken. So sind die betreuenden Lehrkräfte, genauso wie Auszubildende des Werks mit ins Projekt eingebunden. Zu Gute kommt das in den Unterricht integrierte Programm den Schülerinnen und Schülern, die mit Begeisterung anhand der Modellstadt lernen können. Mehr dazu im Bericht der Saarbrücker Zeitung


Gemeinsam mit Betrieben vor Ort kooperieren: "Jugendliche erleben Handwerk"

Erfolgreiche Partnerschaften zeichnen sich dadurch aus, dass beide Seiten voneinander lernen und einen Nutzen aus der gemeinsamen Sache ziehen. In diesem Sinne haben die Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn, die Erbacher Firma Burgard und die Unternehmensgruppe Heinrich Schmid schülergerechte Renovierungsprojekte in Klassenräumen durchgeführt. Im Sinne einer vertieften Berufsorientierung wurden die Schüler im Projekt nicht nur gut informiert über Berufe im Handwerk, sondern konnten gleich aktiv mit anpacken und ihre Klassenräume unter fachlicher Anleitung selbst renovieren. Freiwillige Neuntklässler erlebten jeweils drei Tage lang von 8 bis 16 Uhr Handwerk hautnah, sogar Frühstück und Mittagessen wurden auf der Baustelle gemeinsam eingenommen. Unter der Regie erfahrener Fachleute wurden die Arbeiten verteilt: Farben anrühren, Decke und Wände, Heizkörpernischen und Türrahmen streichen, jeder konnte sich eine Aufgabe aussuchen. Geschützt durch ihre weißen Anzüge und Schirmmützen, machten sich die Schülerinnen und Schüler ans Werk. Nebenbei erfuhren sie, dass eine Berufsausbildung auch eine gute Grundlage für ein späteres Studium sein kann und dass praktisches Arbeiten richtig Spaß machen kann. Der Handwerksbetrieb konnte sich über neue Auszubildende in den Bereichen Maler und Trockenausbau freuen, die den handwerklichen Beruf für sich entdeckt hatten.

Hintergrund:
Die Firma Burgard unterstützt zusammen mit der Unternehmensgruppe Schmid und deren Führungsakademie die Gemeinschaftsschule Homburg II bei der Berufsorientierung. Hierzu zählt sowohl die Bereitstellung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen im Bereich Maler, Anstreicher, Lackierer, Innenausbau, als auch ein Modellprojekt zur Berufsausbildung mit Zusatzunterricht zur Fachhochschulreife.

Anmeldung und Information

Christine Hauser
Tel.: 0681 95434-39
Fax: 0681 95434-69
E-Mail: bildungmesaar.de

Bitte senden Sie das Anmeldeformular vollständig ausgefüllt an oben genannte E-Mail oder Faxnummer.

Ansprechpartner Arbeitskreis Saarpfalz

Vorsitz Schule

Bernd Jähn
stllv. Schulleiter der Gemeinschaftsschule Homburg II
E-Mail: Bernd.Jaehnonline.de

Nils Grützner
Zentrum BeSt, LPM
E-Mail: ngruetznerlpm.uni-sb.de

Vorsitz Unternehmen

Birgit Burgard
Geschäftsführerin Fa. Burgard Ausbau & Fassade, Bexbach
E-Mail: Birgit.Burgard55gmx.de